Wirtschaft
© stock.adobe.com/pornchai
02.01.2022

Nur leichte Erholung auf dem Ausbildungsmarkt

Nur leichte Erholung auf dem Ausbildungsmarkt

Nach den erheblichen Einbußen im vergangenen Jahr im Zuge der Corona-Pandemie und ihrer Bekämpfung hat sich die aktuelle Lage auf dem Ausbildungsmarkt im Jahr 2021 nur leicht entspannt. Das Niveau von vor der Pandemie wurde bei Weitem nicht erreicht. Mit insgesamt 473.100 neu abgeschlossenen dualen Ausbildungsverträgen wurden 5.600 Verträge (+1,2 Prozent) mehr abgeschlossen als 2020. Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge fiel aber immer noch um 52.000 niedriger aus als 2019 (525.000 Verträge). Dies sind zentrale Ergebnisse der Analysen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zur Entwicklung des Ausbildungsmarktes im Jahr 2021. Sie basieren auf der BIBB-Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge zum Stichtag 30. September sowie auf der Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA).

Das Angebot an Ausbildungsstellen lag 2021 bei 536.200. Das sind 8.800 (+1,7 Prozent) mehr als 2020, aber noch immer mehr als 40.000 weniger als 2019 vor der Corona-Pandemie (578.200).

Die Zahl der jungen Menschen, die eine duale Berufsausbildung nachfragten, ging im Vergleich zum Vorjahr nochmals um 4.800 (-0,9 Prozent) auf 540.900 zurück. Die Ausbildungs­platznachfrage erreichte damit einen neuen Tiefstand seit 1992, als erstmals Daten für das wiedervereinigte Deutschland vorlagen.

Die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen stieg dagegen weiter an und erreicht ein neues Rekordniveau. 63.200 Ausbildungsstellen blieben 2021 unbesetzt. Das entspricht einem Anstieg um 3.200 (+5,4 Prozent) im Vergleich zu 2020. Schon in den Jahren zuvor war die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen stetig gestiegen (2019: 53.100, 2020: 59.900).

Die Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt zu verringern, also Jugendliche und Betriebe besser zusammen­zubrin­gen, stellt laut BIBB-Analyse auch im Jahr 2021 die zentrale Herausforderung am Ausbildungsmarkt dar. Zwar hat sich aus Sicht der Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Lage etwas entspannt. Denn der Anteil der noch eine Ausbildungsstelle suchenden Bewerberinnen und Bewerber an der Gesamtnachfrage fiel mit 12,5 Prozent niedriger aus als 2020 (14,3 Prozent). Hier wurde fast wieder der Wert von 2019 erreicht (12,3 Prozent). Aber gleichzeitig ist der Anteil der unbesetzten Ausbildungsstellen am betrieblichen Gesamtangebot weiter gestiegen (2019: 9,4 Prozent, 2020: 11,7 Prozent, 2021: 12,2 Prozent). Dabei gibt es erhebliche Unterschiede zwischen Berufen und Regionen.

Nach Auffassung von BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser hatte die Corona-Pandemie auch 2021 den Ausbildungsmarkt fest im Griff. „Leider ist die noch im Sommer 2020 erwartete Erholung in dem erhofften Ausmaß in diesem Jahr nicht eingetreten. Der leichte Anstieg bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen zeigt, wie sehr sich die Betriebe und Ausbildungs­verantwortlichen anstrengen, auch in diesen schwierigen Zeiten an der dualen Ausbildung festzuhalten. Dennoch ist spürbar, dass die Verunsicherung bei Betrieben und Jugendlichen aufgrund der Corona-Pandemie auch im Jahr 2021 nach wie vor hoch ist. Große Sorge bereitet mir der weitere Rückgang auf der Nachfrageseite, ein eindeutiger Beleg dafür, dass das Interesse der Jugendlichen und jungen Erwachsenen an der dualen Berufsausbildung weiter nachlässt. Und da, wo heute die Auszubildenden fehlen, fehlen morgen die Fachkräfte. Deshalb wird die Sicherung des Fachkräftebedarfs zu einer der größten Herausforderun­gen dieses Jahrzehnts. Nur mit einer attraktiven und starken dualen Berufsbildung wird es gelingen, dieser Herausforderung zu begegnen.“

Statistiken, Tabellen, Grafiken und interaktive Regionalkarten zum Ausbildungsmarkt finden Sie im Internetauftritt des BIBB:

Zum BIBB-Internetauftritt

(Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB))

Schlagworte

ArbeitsmarktFachkräftemangelFachkräftequalifizierungFachkräftesicherung

Verwandte Artikel

30.03.2025

Fachkräftemangel großes Hindernis für mehr Patente und mehr Innovationen

Die neue Bundesregierung muss Voraussetzungen schaffen, damit Deutschland mit einem Innovationsschub die technologische Spitzenposition wiedererlangt.

Fachkräftemangel Innovation Patente Wettbewerbsfähigkeit
Mehr erfahren
Optimale Schnittkanten mit dem Cutting Assistant
24.03.2025

„Cutting Assistant“ verbessert mit KI die Kanten beim Laserstrahlschneiden

Mit dem „Cutting Assistant“ zeigt Trumpf auf seiner Hausmesse Intech eine Lösung, die mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) die Qualität der Schnittkanten beim Lasers...

Fachkräftemangel KI Laserstrahlschneiden Optimierung Schnittkanten
Mehr erfahren
19.03.2025

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im März 2025

Die wirtschaftliche Lage ist zu Jahresbeginn 2025 weiterhin geprägt von hohen innen- und außenpolitischen Ungewissheiten.

Arbeitsmarkt Bau Bildung Dienstleistungen Energie Energiepreise Entwicklung Handel Industrie Inflation Insolvenz Klimaschutz Konjunktur Produktion Regierung Stabilisierung Wirtschaft
Mehr erfahren
08.03.2025

Jahresbilanz im Maschinen- und Anlagenbau

Der VDMA zieht eine Jahresbilanz im Maschinen- und Anlagenbau: Trotz Rezession gibt es nur einen leichten Beschäftigtenabbau.

Anlagenbau Arbeitsmarkt Arbeitsrecht Arbeitszeit Bau Industrie Konjunktur Maschinenbau Mittelstand Produktion Rezession Wettbewerb
Mehr erfahren
27.02.2025

Fertigungsbranche nur bedingt für den Fachkräftemangel gerüstet

Gegen Personalengpässe setzen deutsche Fertigungsunternehmen vor allem auf die Weiterqualifizierung ihrer Belegschaft. Wirklich gut aufgestellt sind sie dafür aber nicht.

Fachkräftemangel Fertigung Umfrage
Mehr erfahren