
Um bei der Herstellung von Autos, Flugzeugen oder Schiffen wertvolle Ressourcen wie Stahl einzusparen, werden immer häufiger alternative Materialien genutzt. Doch wie werden solche sehr unterschiedlichen Werkstoffe sicher und langfristig verbunden? Die Fügetechnik Kleben spielt nicht nur im Fahrzeug- oder Maschinenbau eine Schlüsselrolle, sondern für den Transformationsprozess der gesamten deutschen Wirtschaft. Vom 17. bis 19. Februar 2025 fand in Köln das 25. Kolloquium „Gemeinsame Forschung in der Klebtechnik“ statt.
Die Forschungsvereinigung Schweißen und verwandte Verfahren e. V. des DVS, die Forschungsvereinigung Stahlanwendung e. V. – FOSTA, der Internationale Verein für Technische Holzfragen e. V. – iVTH und die DECHEMA – Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e. V. haben sich zum Gemeinschaftsausschuss Klebtechnik zusammengeschlossen und sind Veranstalter des jährlichen Fachtreffens. Sie bieten mit dem Kolloquium seit mehr als zwei Jahrzehnten Wissenschaftlern, Entwicklern, Herstellern und Anwendern ein Forum mit Präsentationen von Klebstoffherstellern, mit Vorträgen über Projekte der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) sowie ein umfassendes Bild vom aktuellen Stand in Forschung und Anwendung. „Dank ihrer Fähigkeit, unterschiedlichste Materialien zu verbinden, ist die Klebtechnik prädestiniert für energieeffiziente Leichtbaulösungen, die die Festigkeits- und Stabilitätsgrenzen der eingesetzten Werkstoffe voll ausschöpfen. Um sie jedoch in immer neuen Werkstoffkombinationen sicher nutzen zu können, ist ein hohes Prozessverständnis erforderlich“, betonte Jens Jerzembeck, Geschäftsführer der Forschungsvereinigung Schweißen und verwandte Verfahren e. V. des DVS und Vorstand der AIF.
„Roadmap Klebtechnik 2035“ vorgestellt
Der Ausschussvorsitzende Dr. Wolfgang Witwer stellte auf dem Kolloquium die neue „Roadmap Klebtechnik 2035“ vor. Sie beinhaltet eine Erweiterung der bisherigen Themen wie Kommunikation und Ausbildung mit dem Ziel einer Stärkung des öffentlichen Vertrauens in die Klebtechnik, Förderung der Kreislaufwirtschaft und CO2-neutrale Klebverbindungen sowie Prozesstechnik mit dem Ziel der adaptiven Klebtechnik. Überschrieben mit den Attributen „kreislauffähig, prognostizierbar und adaptiv“ stehen im kommenden Jahrzehnt vor allem die Methoden der Prognose entlang der Prozesskette sowie der vernetzte Prognose-, Auslegungs- und Verarbeitungsprozess im Fokus der Klebtechnik-Forschung. Die Roadmap wurde nach intensivem Austausch der Fachleute beschlossen.

Gemeinschaftsforschung entscheidend für Wettbewerbsfähigkeit
„Durch den regelmäßigen interdisziplinären Austausch zwischen Wissenschaft und Industrie setzen die industriegetragenen Forschungsvereinigungen kontinuierlich neue Impulse für Forschung und Praxis. Forschungsergebnisse aus der industriellen Gemeinschaftsforschung finden ihren Weg in die industrielle Anwendung – und das ist ein entscheidender Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland“, hob Dr. Matthias Heider, Geschäftsführer der AIF – Allianz für Industrie und Forschung e. V., auf dem bundesweiten Fachkolloquium hervor.
Bereits seit Anfang der 2000er Jahre bündelt der Gemeinschaftsausschuss Klebtechnik (GA-K) vor diesem Hintergrund die Kompetenzen und Aktivitäten auf dem Gebiet der Klebtechnik. Die Mitglieder des GA-K mit Vertretern aus Industrie und Wissenschaft rekrutieren sich aus den Arbeitskreisen „Fertigung und Konstruktion“ und „Adhäsion und Klebstoffchemie“ der DECHEMA, dem Fachausschuss „Klebtechnik“ der DVS Forschung, dem Expertenausschuss „Kleben von Stahl“ der FOSTA sowie Experten des iVTH. Die Forschungsvorhaben umfassen das gesamte Gebiet der Klebtechnik von der Konstruktion über die Fertigung bis hin zur Reparatur und zum Recycling, auch in Kombination mit anderen Fügeverfahren.
„Die vier tragenden Forschungsvereinigungen haben mit ihrer Vision und einer dauerhaften, konstruktiven Zusammenarbeit die Entwicklung von noch relativ kleinen Anfängen zu einem festen Bestandteil des Kalenders für alle Interessierten der Klebtechnik im deutschen Sprachraum bewirkt“, erklärte der Vorsitzende des Gemeinschaftsausschusses Dr. Wolfgang Wittwer und führte in seinem Grußwort fort: „Viele der beteiligten Unternehmen haben sich in dieser Zeit technologisch und wirtschaftlich sehr gut entwickelt und tragen zum guten Ruf der deutschen Klebtechnik in der Welt bei.“
(Quelle: Pressemeldung DVS – Deutscher Verband für Schweißen und verwandte Verfahren e. V.)
Schlagworte
Adaptive KlebtechnikKlebtechnikKreislaufwirtschaftWerkstoffkombinationen